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Nachteilsausgleich bei Prüfungen

Rechtliche Grundlagen

Das im Grundgesetz verbriefte Recht, "Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden" (GG Art.3, Absatz 3, Satz 3) wird in den Landesschulgesetzen und den Ausführungsbestimmungen entsprechend umgesetzt. Die große Aufmerksamkeit, die Schulbehörden aller Bundesländer inzwischen der Frage des Nachteilsausgleichs zukommen lassen, ist Ausdruck des heute expliziten politischen Willens, den Besuch von Schülern mit Behinderungen an allgemeinen Schulen zu fördern.

Maßnahmen eines Nachteilsausgleichs können sein:

  • Abänderung bzw. Streichung von Prüfungsteilen (Hörverständnistests)
  • schriftliche Ergänzungen mündlicher Prüfungen oder deren Ersatz
  • Zeitverlängerung
  • Einsatz von Gebärdensprachdolmetschern
  • weitere Modifikationen von Mündlichen Schulaufgaben in Fremdsprachen siehe: Merkblatt des MSD Würzburg
  • Anregungen aus der Praxis: Nachteilsausgleich Rheinland-Pfalz

Im Folgenden stellen wir die Gesetzeslage in Bayern ausführlich dar. Dokumente zu den Regelungen in anderen Bundesländern sind hier hinterlegt:

[Für Aktualisierungen, Ergänzungen und Hinweise auf Regelungen in weiteren Bundsländern sind wir dankbar!]

Gesetzeslage in Bayern

Das Bayerische Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen (BayEUG) stellt in Artikel 2.1.2 fest: „Die sonderpädagogische Förderung ist im Rahmen ihrer Möglichkeiten Aufgabe aller Schulen.“ D.h., dass Schüler mit (Hör-) Behinderung in der Regel an einer allgemeinen Schule unterrichtet und nur dann an eine Förderschule verwiesen werden, wenn die Möglichkeiten der allgemeinen Schule ausgeschöpft sind. Die sonderpädagogische Förderung dieser Schülergruppe beinhaltet einen angemessenen Ausgleich für eine mögliche Benachteiligung bei Prüfungen.

Aktuelle Regelungen an den verschiedenen Schularten

An den Grund- und Hauptschulen sind nach der allgemeinen Volksschulordnung (VSO § 45, 2008) Maßnahmen zum Nachteilsausgleich vorgesehen:

" (1)Bei Leistungsnachweisen sowie bei Abschlussprüfungen kann die Bearbeitungszeit für Schülerinnen und Schüler mit besonders ausgewiesenem sonderpädagogischem Förderbedarf oder mit Behinderungen um bis zu 50 v. H. der vorgesehenen Zeit verlängert werden. (2)Soweit im Einzelfall erforderlich können spezielle Hilfen zugelassen oder Alternativaufgaben gestellt werden, die im Anforderungsniveau gleichwertig sind und von der Schülerin oder dem Schüler unter Berücksichtigung des sonderpädagogischen Förderbedarfs oder der Behinderung bearbeitet werden können. (3)Die Entscheidung über die Verlängerung und die Zulassung erforderlicher spezieller Hilfen trifft die Klassenleiterin oder der Klassenleiter bzw. die für die Prüfung eingesetzte Kommission. (4)Soweit für die Schülerin oder den Schüler Mobile Sonderpädagogische Dienste eingesetzt sind, sind diese an der Entscheidung zu beteiligen; im Übrigen kann eine Stellungnahme einer Förderschule mit entsprechendem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt eingeholt werden."

Bei entsprechendem sonderpädagogischem Förderbedarf kann ein Hauptschüler auch anhand der adaptierten Aufgaben geprüft werden, wie sie an den entsprechenden Förderschulen zum Einsatz kommen. Er kann seine Prüfung aber nicht direkt an der Förderschule ablegen. Im KMS IV.8-5 S 8610-4.136 346 vom 30.01.2009 wird das Procedere ausgeführt.

Der Bund Bayerischer Hörgeschädigtenpädagogen informiert in einem Flyer über den "Nachteilsausgleich für Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf im Hören" an allgemeinen Grundschulen (Aktualisierung steht noch aus).

An den Realschulen entscheidet der Ministerialbeauftragte über Anträge zum Nachteilsausgleich bei der Abschlussprüfung, ebenso bei allen anderen Leistungsfeststellungen liegt es in der Verantwortung des Ministerialbeauftragten.

Bei der Gewährung eines Nachteilsausgleiches "ist darauf zu achten, dass die Hilfen die behinderungsspezifischen Erschwernisse des Zugangs zur Aufgabenstellung ausgleichen, aber andererseits das Anforderungsprofil der Aufgabenstellung nicht herabsetzen. Bei der Aufgabenstellung ist besonders auf eine einfache, klar strukturierte Sprache zu achten."

"Die Verlängerung der Arbeitszeit (bis zu 50 %) richtet sich nach dem Grad der Schwerhörigkeit."

"Der hörgeschädigte Schüler ist i.d.R. vom Hörverständnistest ... befreit."

"Für einen Ausgleich der mündlichen Note können dem hörgeschädigten Schüler schriftliche oder gestalterische Zusatzaufgaben gestellt werden."

"Im Fach Deutsch soll auf das Diktat verzichtet werden. Die Bewertung des Aufsatzes soll sich vor allem auf den Inhalt beziehen. Grammatik und Rechtschreibung können dabei in den Hintergrund treten."

(Zitiert aus dem KMS V.2-S 6306.4 - 5.106 000 vom 18.10.2005, das die bisherige Regelung nach KMS V/3-S630010/161 450 vom 10.11.1997 ersetzt.)

Modifikation des Speaking Test in der Abschlussprüfung: Die Durchführung einer Einzelprüfung mit einer vorab bestimmten Lehrkraft als Dialogpartner ist möglich. (KMS V.2-5 S 6500 - 5.121 200 vom 20.12.2005)

Der Ausgleich von Prüfungsnachteilen an Berufsschulen, Berufsfachschulen, Wirtschaftsschulen, Fachschulen, Fachakademien, Fachoberschulen und Berufsoberschulen wird mit KMS VII.8-5 S 9500-6-7.3 363 vom 17.03.2011 einheitlich geregelt. Danach ist von der vorgesetzten Behörde - d.h. der Bezirksregierung bzw. MB Dienststelle - "in Härtefällen über den Ausgleich von Prüfungsnachteilen aufgrund dauernder Behinderung bei Leistungsnachweisen in den Prüfungsfächern in Abschlussklassen im Laufe des Schuljahres sowie bei staatlichen Abschlussprüfungen zu entscheiden." "Im Übrigen entscheidet über den Ausgleich von Prüfungsnachteilen aufgrund dauernder Behinderung bei Leistungsnachweisen im Laufe des Schuljahres die Schulleiterin oder der Schulleiter."

Der Antrag in den Abschlussklassen muss zu Beginn des Schuljahres bei der Schule gestellt werden, in allen anderen Fällen während des Schuljahres. Beizulegen sind ein (amts-) ärztliches Zeugnis, ggf. der Behindertenausweis, eine Stellungnahme des MSD. Eine Bemerkung darüber erfolgt im Zeugnis nicht (Ausnahme: Textverarbeitung).

An Berufsschulen gibt es i.d.R. keine Abschlussprüfung (vgl. § 46 Abs. 1 BSO), so dass sich eine entsprechende Regelung für die Abschlussprüfung erübrigt. Über die Gewährung eines Nachteilsausgleichs in der Gesellenprüfung Teil 1 und 2 entscheidet die entsprechende Kammer (z.B. IHK).

Für Wirtschaftsschulen, Berufsfachschulen, Fachschulen und Fachakademien liegt die Entscheidung hierüber bei der zuständigen Regierung. (Quelle: Bekanntmachung des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus vom 23. Dez. 2005 Nr. VII.9-5 S 9500-7.129 692 veröffentlicht im KWMBl I Nr. 2/2006, S. 42; §§ der einzelnen Schulordnungen, und o.g. KMS v. 17.03.2011)

An FOS und BOS sind Prüfungsmodifikationen laut o.g. KMS v. 17.03.2011 KMS VII.8-5 S 9500-6-7.3 363 folgendermaßen geregelt:

Die Schule kann die während des Schuljahres anfallenden Prüfungen in den Klassen 11 und den Vorklassen/ -Kursen selbständig modifizieren.

Für die Abschlussklassen (12 und 13) gilt, dass der Nachteilsausgleich in den Prüfungsfächern während des Schuljahres und in den Abschlussprüfungen auf Antrag des Schülers und mit Stellungnahme der Schule und ggf. des MSD vom Ministerialbeauftragten gewährt wird (Zeitverlängerung bis zu 25%, in Ausnahmen bis zu 50 %). Beim mündlichen Teil der Abschlussprüfung im Fach Englisch kann der Ministerialbeauftragte eine Modifikation genehmigen – Einzelprüfung statt Gruppenprüfung.

Für die Gymnasien präzisiert das kultusministerielle Schreiben vom 08.12.2006 den „Nachteilsausgleich für hörgeschädigte, körperbehinderte und sehgeschädigte Schüler“ (KMS VI.8-5 S 5300-6.108417) und ersetzt damit das KMS II/16-O5110-8/67004 vom 18.07.88. Es werden darin fünf Kriterien genannt:

1. Schulorganisatorische Maßnahmen
2. Unterstützung durch den Mobilen Sonderpädagogischen Dienst (MSD)
3. Technische Hilfen
4. Didaktisch-methodische Maßnahmen
5. Nachteilsausgleich bei Leistungserhebungen

Einen Nachteilsausgleich (Punkt 5) im engeren Sinne , d.h. Prüfungsmodifikationen, beantragt der Schüler bzw. seine Erziehungsberechtigten schriftlich und unter Vorlage einer fachärztlichen Bestätigung der Hörbehinderung bei der Schule. „Vom zuständigen Fachdienst bzw. vom MSD sollte auf jeden Fall eine Stellungnahme angefordert werden. In dieser Stellungnahme werden konkrete Maßnahmen zum Nachteilsausgleich in Prüfungen vorgeschlagen.“ Bei der Modifikation der Prüfungen ist darauf zu achten, dass sie „die behinderungsspezifischen Erschwernisse ausgleichen, ohne das Anforderungsprofil der Aufgabenstellung herabzusetzen.“

Den Nachteilsausgleich in der Abiturprüfung in modernen Fremdsprachen beschreibt das KMS VI.6 5 S 5500 6.48055 vom 29.09.2010 wie folgt:

  • keine Teilnahme bei Hörverständnistests (MB)
  • Modifikation der dezentralen Mündlichen Prüfung (Schule)

Ergänzung siehe das KMS VI.6 5 S 5500 6b.122828 vom 21.11.2013: Ab dem Abiturtermin 2016 gibt es Änderungen im Prüfungsformat. Für die Schüler der Q11 bzw. die Q12 ist eine mündliche Schulaufgabe verpflichtend. Nachteilsausgleichregelungen zur Modifikation der Sprechfertigkeitsprüfung (Gruppendiskussion) finden auch Anwendung bei mündlichen Schulaufgaben. Regelungen zum Nachteilsausgleich können u.a. die Anzahl der Gesprächspartner in der Prüfung betreffen.

Der Ministerialbeauftragte entscheidet über Anträge zu:

  • Verlängerung der Arbeitszeit (bis zu 50 %) im pädagogischen Ermessen der Schule und nach Absprache mit dem MSD
  • Berücksichtigung der Belastbarkeit in Prüfungssituationen (Gewährung von Pausen, Umfang der Aufgabenstellungen)
  • Verwendung technischer Hilfsmittel (z. B. Computer, Lesegeräte)
  • Zuordnung einer Schreibkraft
  • Behinderungsspezifischer Ersatz von Prüfungsformen oder Wegfall von Prüfungsteilen . In allen anderen Fällen entscheidet die Schulleitung.

Antragstellung

Soweit oben nicht anders ausgeführt stellen die Eltern bei der jeweiligen Schule einen formlosen Antrag zur Prüfungsmodifikation. Das Schreiben sollte zusammen mit einer ärztlichen Bescheinigung über Art und Schwere der Hörbehinderung und mit einer sonderpädagogischen Stellungnahme zur Begründung der Maßnahme eingereicht werden. Unterstützung finden Schüler bzw. Eltern bei den Mobilen Sonderpädagogischen Diensten (bzw. Lehrern im Gemeinsamen Unterricht) für Schwerhörige, die auch die sonderpädagogischen Stellungnahmen erstellen.

Zeugnisbemerkung

Während es bei Legasthenie–Erlassen explizit vorgeschrieben ist, darauf hinzuweisen, dass die Rechtschreibung nicht bewertet wurde, gilt dies für einen gewährten Nachteilsausgleich bei Schülern mit Hörbehinderung i.d.R. nicht.

"Der Ausgleich von Prüfungsnachteilen einschließlich Art und Umfang des Ausgleichs wird nicht im Zeugnis vermerkt." (KMS für die beruflichen Schulen vom 17.03.2011).

Dazu besteht auch kein Anlass, wird doch i.d.R. das jeweilige Anforderungsprofil durch die empfohlenen Formen des Nachteilsausgleichs nicht generell herabgesetzt. Falls jedoch ein relevanter Prüfungsteil ersatzlos wegfällt, die Prüfung also in ihren Inhalten verändert wird, muss dies mit einer neutralen Bemerkung festgestellt werden:

"Abweichend hiervon ist bei Gewährung eines Nachteilsausgleichs im Fach Textverarbeitung sowie im Wahlpflichtfach Bürokommunikation mit Kurzschrift, Bereich Kurzschrift, ein Zeugnisvermerk aufzunehmen." (a.a.O.)

Im Übrigen wäre es diskriminierend, wenn das Vorliegen einer (Hör-)Behinderung und ein deswegen gewährter Nachteilsausgleich im Zeugnis erwähnt würde.

[W. Kern, aktualisiert am 04.10.2011]

 




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