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Hörbehinderte Lehrer für hörbehinderte Schüler?!Es war für mich nie eine Frage, dass ich den Lehrberuf nicht ergreifen
könnte, weil ich selbst hörbehindert bin. Die Bedenken hierzu kamen
von Anfang an fast ausschließlich von Hörgeschädigtenpädagogen, die
sich in der Vorstellung schwer taten, dass hörbehinderte Menschen
hörbehinderte Schüler unterrichten könnten. Wie wenig vertraut der
Gedanke an hörbehinderte Lehrer noch kurz vor meinem Abitur war, zeigt
folgendes Beispiel, in dem ein Lehrer mir bezüglich meines Wunsches,
Gehörlosenpädagogik zu studieren, riet: "Du solltest anfangen,
realistisch zu denken!"
Hauptgründe der Bedenken bezüglich meines Berufswunsches waren
beispielsweise die Frage nach der "Artikulationsfähigkeit"
hörbehinderter Lehrer sowie damit verbunden die Frage nach der
Fähigkeit, die Artikulation der Schüler kontrollieren und verbessern
zu können (und dafür sei "halt" ein intaktes Gehör nötig). Ebenso
wurde immer wieder die Frage nach der Erfüllung der Aufsichtspflicht
gestellt: Wie es denn sei, wenn ich z.B. an der Tafel schreibe, aber
nicht mitbekäme, was hinter meinem Rücken passiere?
Dennoch gab es andererseits auch Menschen, die mich gerade in meinem
Entschluss, Lehrerin zu werden, bestärkten. Dies waren nicht nur meine
Familie oder auch nahe stehende Freunde, sondern gerade auch Menschen,
die selber im Schuldienst standen bzw. stehen und mich unterstützten.
Nun stehe ich im Berufsleben und kann zu den vorgebrachten Einwänden
bezüglich der Artikulation und der Aufsichtspflicht feststellen, dass
meine Schüler auch nicht schlechter oder besser als die Schüler der
hörenden Kolleginnen sprechen. Und bei der Frage nach der
Aufsichtspflichtserfüllung kann ich nur die Gegenfrage stellen, warum,
relativ gesehen, beispielsweise bei Kindern hörbehinderter Eltern auch
nicht mehr Unfälle passieren als bei Kindern hörender Eltern. Ich bin
überzeugt, dass gerade Hörbehinderte andere Wege finden, um den
akustischen Nachteil durch z.B. eine erhöhte visuelle Aufmerksamkeit
auszugleichen (was u.a. die Tatsache erklärt, warum - wiederum
relativ gesehen - hörbehinderten Autofahrern weniger Unfälle
passieren als hörenden Fahrern). Zudem hat gerade meine Hörbehinderung
in dieser Frage einen entscheidenden Vorteil: Ich kann durch meine
Abseh- und DGS-Kompetenz verstehen, was die Schüler untereinander
"schwätzen". Somit kann ich mitverfolgen, was meine Schüler bewegt und
gegebenenfalls gegensteuern, was den Sicherheitsfaktor beträchtlich
steigern kann.
Sicherlich habe auch ich meine Grenzen. So könnte ich es mir
beispielsweise nur schwer vorstellen, mit leichtgradig schwerhörigen
Schülern Artikulationsarbeit zu betreiben oder mit ihnen ein
Weihnachtslied einzuüben. Allerdings muss ich dazu sagen, dass es auch
hörende Kolleginnen gibt, die sich zu den ebengenannten Aufgaben
ebenfalls nicht unbedingt berufen fühlen. Im übrigen kann man auch
hier feststellen, dass jeder seine Grenzen der Einsatzfähigkeit hat.
Dies hat nicht nur etwas mit der Hörbehinderung an und für sich,
sondern auch mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Interessen der
einzelnen Personen zu tun, durch die ja auch überhaupt die Vielfalt
der Zusammensetzung eines Kollegiums entsteht.
Die pädagogische Rolle eines hörbehinderten LehrersAllerdings wird hörbehinderten Lehrern nicht nur eine rein
didaktische, sondern im hohen Grade auch eine Befähigung im
(pädagogisch-erzieherischen) Umgang mit hörbehinderten Schülern
abverlangt. Der Grund dafür ist hier tatsächlich die Hörbehinderung
selber, denn gerade ältere (jugendliche) Schüler werden in der
Lehrkraft nicht nur den "normalen" Lehrer, sondern gerade auch die
Hörbehinderung in ihr sehen und den Umgang mit der Behinderung sehr
genau beobachten und hinterfragen.
Meines Erachtens ist es sehr wichtig, dass gerade die hörbehinderte
Lehrperson sich grundlegend mit ihrer eigenen Hörbehinderung
auseinander gesetzt hat und eine gelebte positive Einstellung ihr
gegenüber besitzt, ihr sogar etwas Gutes für ihre Lebensgestaltung
abgewinnen kann. Hierzu ist es wichtig, dass sie sich auskennt in
bedeutsamen Lebensumfeldern von schwerhörigen und gehörlosen Menschen.
Als hörbehinderter Lehrer ist es gerade in der heutigen Zeit wichtig,
keiner "Ideologie" bezüglich der Gebärdensprache oder auch der
Lautspracherziehung verfallen zu sein. Denn eine Aufteilung der
Schüler in "gehörlos" und "schwerhörig" im klassischen Sinne ist
aufgrund der verbesserten Frühförderung sowie der modernen Hörgeräte-
und CI-Technik immer weniger möglich. Die Schüler erleben heute eine
große Vielfalt, wie sich die jeweilige Hörbehinderung individuell
auswirkt. Gerade deshalb ist es heute von großer Bedeutung, dass bei
ihnen eine Ambiguitätstoleranz ausgebildet wird, d.h. die Fähigkeit,
Widersprüchliches zu ertragen. Die Ambiguitätstoleranz ist nach
Krappmann ein wesentlicher Punkt einer identitätsfördernden Erziehung
(Krappmann 1982, 155) - und dies gilt insbesondere für
hörbehinderte Schüler, denen die Grenzen durch ihre Hörbehinderung
immer wieder vor Augen stehen. Die Ausbildung einer
Ambiguitätstoleranz trägt somit bedeutend zur psychischen
Stabilisierung hörbehinderter Schüler bei. Eine Ambiguitätstoleranz
vermitteln kann aber nur derjenige hörbehinderte Lehrer, der selbst
keiner Ideologie verhaftet ist, gleichzeitig aber eine fundierte
Meinung besitzt und sie auch nach außen vertreten kann.
Beispiele aus dem SchulalltagNun versuche ich, anhand von einigen Beispielen aus dem Schulalltag
(ich unterrichte jugendliche Schülerinnen im Alter von 14 bis 16
Jahren) aufzuzeigen, inwiefern sich meine Hörbehinderung im Umgang mit
den Schülern bemerkbar macht bzw. sogar von Vorteil sein kann:
-
Die Schüler erleben, dass ich - beispielsweise auf
Wandertagen - unbekannte Hörende meist recht gut verstehen kann,
worin sie zum Teil große Probleme haben. Allerdings erleben sie
andererseits auch, dass ich meine Grenzen im akustischen Verstehen
habe, beispielsweise im Verstehen von Lautsprecherdurchsagen. Hierbei
passiert es, dass manche Schüler diese z.T. besser verstehen als
ich - und dann immer stolz sind, wenn sie mir etwas dolmetschen
konnten/können.
-
Immer wieder stellen die Schüler mir - zum Teil sehr
persönliche - Fragen bezüglich meiner Hörbehinderung: Ob ich auch
mal traurig sei, hörbehindert zu sein? Was ich mache, wenn ich einen
unbekannten Hörenden nicht verstehe? Ob ich mich denn nicht schäme,
dass man(früher) meine Hörgeräte bzw. heute mein Cl sehen könne? Was
mache ich, wenn ein Notfall aufgetreten ist, in dem dringend
telefoniert werden muss? Ob ich mich nicht schäme, in der U-Bahn zu
gebärden - und was ich mache, wenn Leute mich deshalb
"anglotzen"? Ob ich mich früher in der Familie am Tisch bei Gesprächen
auch so gelangweilt hätte? Habe ich den Führerschein gemacht -
und wie habe ich hier den Fahrlehrer verstanden? Es kamen sogar so
persönliche Fragen vor wie diejenige, ob ich denn lieber einen
hörenden oder gehörlosen Partner hätte - und warum? Ob ich mir
gehörlose oder hörende Kinder wünsche, wurde ich auch schon gefragt.
-
Die Frage, warum ich als Erwachsener "immer noch" schlecht höre, kam
auch schon einige Male vor - bei jüngeren Schülern aus der
Grundschulstufe, wenn diese entdecken, dass auch ich hörbehindert
bin - und sie im Glauben waren, dass sie "später mal" hörend sein
würden, wenn sie groß seien.
-
Gerade im Alter von 14 - 16 Jahren setzen sich die Schüler oft
nochmals intensiv mit ihrer eigenen Hörbehinderung auseinander, was
bisweilen dazu führt, dass sie beispielsweise das Tragen der Hörgeräte
und z.T. auch des Cl's ablehnen - und sind dann jedes Mal
erstaunt, wenn ich ihnen erzähle, dass selbst ich meine Hörgeräte im
Alter von 14/15 Jahren über ein halbes Jahr lang ganz bewusst nicht
mehr trug - und dass diese Zeit für mich sehr wichtig war, um
einen Neuanfang mit ihnen machen zu können. Hierbei entstehen
Gespräche wie: Was bringen mir eigentlich meine Hörgeräte / mein Cl?
In solchen Gesprächen kommen auch mal so existentielle Fragen vor wie:
"Warum bin ich eigentlich hörbehindert?", auf die es keine
allgemeingültige Antworten gibt und auch nicht geben kann, wenn man
sich nicht nur auf den rein körperlichen "Defekt" beschränken will.
- Ob
ich in Lautsprache (in Gehörlosenklassen mit weitgehend
lautsprachbegleitenden Gebärden) oder überwiegend in DGS unterrichte, hängt
von der jeweiligen Klassensituation und vom jeweiligen Unterrichtsfach ab.
Beispielsweise ist es überhaupt keine Frage, dass wir beim morgendlichen etwa
zehn- bis fünfzehnminütigen gemeinsamen Zeitungslesen das Weltgeschehen
weitgehend in DGS kommentieren, denn hierbei steht die reine Wissensvermittlung
im Vordergrund – und das geht tatsächlich schneller und einfacher, als wenn ich
mich auf die Lautsprache beschränken würde. Auch in manchen Sachfächern - wie
auch in Religion - wird immer wieder in DGS "gesprochen" - dafür lege ich
andererseits viel Wert darauf, dass ich gerade in Fächern wie Deutsch oder
Englisch so viel Lautsprache wie möglich verwende. (Ich muss hierzu betonen,
dass ich momentan ausschließlich in Klassen mit überwiegend gehörlosen Schülern
unterrichte und dass es natürlich anders aussehen würde, wenn ich in einer
Schwerhörigenklasse unterrichtete, in der die Lautsprache durchgehendes
Sprachmedium ist. Aber auch zum Unterricht in einer Gehörlosenklasse muss ich
sagen, dass als eines meiner obersten Unterrichtsziele neben einem möglichst
selbstbewussten Stehen zu den Grenzen und Möglichkeiten als hörbehindertem
Menschen die Erlangung einer möglichst umfassenden Lese- und
Schriftsprachkompetenz für mich absoluten Vorrang hat.)
Zusammenarbeit mit Eltern und KollegenAuch habe ich den Eindruck, dass die Eltern der Schüler mit meiner
Hörbehinderung kaum Schwierigkeiten haben. Jedenfalls hat sich bis
jetzt noch kein Elternteil darüber beschwert, dass eine hörbehinderte
Lehrkraft ihre Kinder unterrichten würde und die Zusammenarbeit
mit den Eltern klappt gut. Besonders noch in Zeiten vor dem Cl, als
ich noch vollständig auf das Verstehen alleine über das Absehen
angewiesen war, haben sich die Eltern immer selbstverständlich auf
meine Hörbehinderung eingestellt und beispielsweise bei Elternabenden
deutlich gesprochen.
Bei den Kolleginnen waren hier die Erfahrungen etwas anders: Während
vor allem der jüngeren Kollegenschaft bereits vom Studium her der
Gedanke an hörbehinderte Lehrerinnen vertraut war, tat sich ein Teil
der älteren Lehrer, die schon seit Jahrzehnten im Dienst
standen/stehen, mit diesem Gedanken schwer - und ließ mich das
auch in den ersten Berufsjahren spüren: Es wurde beispielsweise in
kommunikativen Situationen nicht immer Rücksicht auf meine
Hörbehinderung genommen. Oder ob denn trotz meiner Hörbehinderung die
sprachliche Förderung meiner Schüler in ausreichendem Maße
gewährleistet sei? Manche hatten einfach auch nur Schwierigkeiten
damit, dass ich die gleiche Lautsprachkompetenz aufwies wie sie und
sprachen zum Teil in sehr retardierter Weise mit mir. Doch auch hier
hat über die Jahre hinweg eine Entwicklung statt gefunden und heute
habe ich den Eindruck, dass ich primär als eine weitere "normale"
Kollegin - und nicht mehr als "die gehörlose Kollegin" betrachtet
werde.
Mir macht mein Beruf sehr viel Freude, so dass ich mir momentan keinen
Alternativberuf vorstellen könnte - und heute bin ich sehr froh,
dass ich diesen Weg gegangen bin und dabei auch Menschen traf, die mir
keinen Stein durch Vorurteile in den Weg legten, sondern offen waren
für neue Erfahrungen mit hörbehinderten Lehrern - und das
rechtzeitig genug!
Auch für die Zukunft (wobei ja "Zukunft" an und für sich immer längst
begonnen hat!) halte ich einen Einsatz von hörbehinderten Lehrern für
sehr sinnvoll, denn im optimalen Falle wird die Aussage Rehlings
zutreffen: "Der hörbehinderte Schüler erblickt in seinem
hörbehinderten Lehrer den Beweis dafür, dass die Hörschädigung nicht
mit Leistungsminderung oder gar Wertminderung gleichzusetzen ist."
(Rehling 1981, 277)
Problematisch sehe ich hierbei jedoch, dass die Klassenanzahl mit
gehörlosen Schülern immer kleiner wird. Somit befürchte ich, dass in
den nächsten Jahren eine immer größer werdende Anzahl von gehörlosen
Lehramtsanwärterinnen immer kleineren Schülerzahlen gehörloser Schüler
gegenüber stehen wird. In Hamburg existiert das Problem bereits jetzt,
dass die Zukunftsperspektiven gehörloser Lehramtsanwärterinnen
angesichts der schrumpfenden Schülerzahlen in "Gehörlosenklassen"
nicht sehr gut aussehen.
Dennoch sehe ich auch weiterhin Bedarf für den Einsatz selbst
hörbehinderter Lehrerinnen:
-
Im mobilen Dienst (Ausdruck in Bayern für die Begleitung
hörbehinderter Regelschüler durch sonderpädagogisch ausgebildetes
Fachpersonal) sollten unbedingt hörbehinderte Personen eingesetzt
werden.
-
In Bayern wird derzeit eine Umstrukturierung des Schulsystems der
Gehörlosen- und Schwerhörigenschulen geplant. Hierbei wird der Einsatz
von hörbehinderten Pädagogen insbesondere in den bilingual
ausgerichteten " Sprachlerngruppen" ganz bewusst geplant. Meines
Erachtens ist allerdings ein Einsatz auch in nicht bilingual
konzipierten Sprachlerngruppen sinnvoll, da nicht jeder hörbehinderte
Pädagoge rein gebärdensprachlich ausgerichtet sein wird.
-
Die Frage: "Hörbehinderte Lehrer für hörbehinderte Schüler?" ist für
mich nur individuell beantwortbar. Dasselbe gilt allerdings im
gleichen Maße für hörende Lehrerinnen!

Maike Stein
Die Autorin ist Lehrerin an der Gehörlosenschule im Zentrum für
Hörgeschädigte in Nürnberg. Der hier abgedruckte Artikel ist die
gekürzte Fassung eines Referats auf der Fachtagung zum 25-jährigen
Bestehen der Stiftung zur Förderung körperbehinderter Hochbegabter im
Herbst 2001 in Vaduz und erschien in voller Länge in:
- Jäger, Michael und Jussen, Heribert (Hrsg.): Förderung körper- und sinnesbehinderter
Hochbegabter: Erkenntnisse und Notwendigkeiten. Villingen-Schwenningen 2002,
S. 193-199.
(aus best news 2002)
Beachten Sie zum Thema hörgeschädigte Lehrer auch folgende
Artikel: Interview mit Stefan Fischer (Lehrer
für Mathe und Sport), Erfahrungsbericht von Alexandra
Fischer (Fachlehrerin im musisch-technischen Bereich), sowie verschiedene
Beiträge im Forum
bzw im Forum-Archiv.
Leserkommentare:
Zuschrift vom Februar 2003:
Da ich selbst hörbehindert bin und seit einigen Jahren
an einer Gewerbeschule unterrichte, stellt sich auch die Frage, warum ist
es nicht möglich, als hörbehinderter Lehrer für normalhörende
(nicht nur für hörbehinderte) Schüler da zu sein. Für Ihre Homepage ein dickes Lob!
Konrad Demmig (Ex-Schüler von Stegen bei Freiburg i.B.)
Ich will hier keinen langen Kommentar vom Stapel lassen, ich stimme den
Ausführungen der Frau Stein inhaltlich voll und ganz zu.
Im Laufe meines Studiums (ich entschied mich damals für ein Diplom-Studium,
obwohl ich am liebsten zusätzlich auch noch Lehramt studiert hätte)
lief mir ein Zitat "über den Weg", dessen Herkunft bzw. Urheber
mir leider nicht mehr bekannt ist:
Die Integration des Menschen mit Beeinträchtigung ist nicht
nur für diesen selbst sehr wichtig, sondern auch für die Umgebung,
in die er sich integriert.
Oder anders ausgedrückt: Nicht nur braucht der einzelne Mensch mit
Beeinträchtigung die Gesellschaft, sondern auch braucht die Gesellschaft
den Menschen mit Beinträchtigung. Was wäre eine Gesellschaft ohne
soziale Kompetenzen für eine Gesellschaft!?
Ich füge damit eigentlich einen Zusatz zum letzten Kommentar hinzu.
Behindertenpädagogik bedeutet für mich seit jeher nicht nur die
Pädagogik der Menschen mit Beeinträchtigungen sondern auch die
Pädagogik der Umgebung von Menschen mit Beeinträchtigungen.
Henning Glause, Univ.-Dipl.-Behindertenpädagoge in Wien
Evelin schrieb am 30.08.2008 zum diesem Artikel
Kurz zu meiner Person: ich bin 31 Jahre, hörbeeinträchtigt und
Diplompädagogin in der Grundschule für Normalhörende Kinder.
Seit einiger Zeit versuche ich meine Behinderung als einen Teil von mir
zu akzeptieren, offener umzugehen und mich mehr damit auseinanderzusetzen.
Zugegeben es ist meistens schwierig sich zu "outen", da ich auch
sehr auf mein Äußeres achte, verdecke ich oft die Hörgeräte.
Ich denke, dass jeder Hörbeinträchtigte Lehrer Angst davor hat,
abqualiviziert zu werden, auch muss man sich viel mehr beweisen als ein
Normalhörender. Mein Beruf macht mir sehr viel Spaß (habe die
Ausbildung schließlich im zweiten Bildungsweg absolviert), doch für
die Zukunft stelle ich mir vor, in einer Hörbeinträchtigten Schule
zu unterrichten.
Zu diesem Zitat:
"Nicht nur braucht der einzelne Mensch mit Beeinträchtigung die
Gesellschaft, sondern auch braucht die Gesellschaft den Menschen mit Beinträchtigung."
- Viele Menschen haben allerdings Vorurteile gegenüber Schwerhörigen,
ein Kamerad meines Partners meinte sogar: "Entweder ist sie dumm oder
eingebildet." Soviel zur Gesellschaft!
Evelin, Diplompädagogin
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