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Die Rheinisch-Westfälische Berufsschule
für Hörgeschädigte in Essen

Beeindruckend ist die Essener Schule schon, wenn man nur vor ihr steht: ein mehrstöckiger Gebäudekomplex aus den 70er Jahren - viel Beton, viel Glas. Beeindruckend auch die Schülerzahl. Etwa 1000 Schüler werden hier von rd. 170 Lehrern unterrichtet. Damit ist Essen die größte Schule für Hörgeschädigte in Deutschland. Wenn wir die Schule hier kurz vorstellen, dann nicht nur wegen der Superlativen. Trotz der 6 Stunden 12 Minuten ICE Fahrzeit, die Essen von München trennt, finden jedes Jahr auch einige Bayern den Weg dorthin. Warum das so ist, wird aus dem breiten Spektrum von Abschlüssen ersichtlich, die dort erreicht werden können. Das schulische Angebot erstreckt sich nur auf den Sekundarbereich II, d.h. es richtet sich nur an Schüler, die nicht mehr der Schulpflicht unterliegen. Neben den vollzeitschulischen Bildungsgängen zum Nachholen eines qualifizierenden Hauptschulabschlusses oder einer beruflichen Qualifikation gibt es die Berufsschule und die Kollegschule.

Auch für bayerische Schüler kann die Berufsschule in Essen interessant sein - z.B. wenn in der regulären Berufsschule auf ihre Schwerhörigkeit nicht Rücksicht genommen wird und ihre Ausbildungsrichtung in keinem Berufsbildungswerk angeboten wird. In Essen bekommt man Berufschulunterricht für fast jeden in Deutschland anerkannten Ausbildungsberuf, speziell auf die Bedürfnisse Hörgeschädigter zugeschnitten. Der praktische Teil der Lehre findet ganz normal in den Betrieben statt.

Einen Überblick über die Bildungsgänge der Kollegschule geben untenstehende Tabellen. Im Unterschied zum vergleichbaren schulischen Angebot in Bayern kann man in der Rheinisch-Westfälischen Kollegschule mit dem Erwerb der allgemeinen Hochschulreife u.U. zugleich die Ausbildung zum physikalisch-technischen Assistenten (PTA) bekommen. Anders ist auch, daß Schülern der Kollegschule, die in der 12. Klasse von der Schule gehen, unter besonderen Bedingungen eine eingeschränkte Fachhochschulreife erwerben können. Die zu einem Studium berechtigenden Abschlussmöglichkeiten erläutert Herr Saueracker vom rwb weiter unten.

Ziel: Fachhochschulreife

Bezeichnung FOS 12 B FOS 12 B FOS 12 B Höhere Handelsschule Höhere Berufsfachschule Technik
Zweig Technik Wirtschaft Sozial-pädagogik Wirtschaft naturwissenschaftlich
Voraussetzung mittlere Reife und eine abgeschlossene Berufsausbildung mittlere Reife mittlere Reife
Dauer 1 Jahr 3 Jahre 3 Jahre
Besonderheit Aufbaustufe zum Abitur in 2 Jahren möglich zur vollen Fachhochschulreife ist ein mehrmonatiges Praktikum nötig zur vollen Fachhochschulreife ist ein mehrmonatiges Praktikum nötig


Ziel: Abitur

Bezeichnung gymnasiale Oberstufe
Zweig Naturwissenschaften Wirtschaft Erziehungs-
wissenschaften
Voraussetzung mittlere Reife
Dauer 4 Jahre 4 Jahre 4 Jahre
Besonderheit Ausbildung zum pysikalisch-technischen Assistenten (PTA) zugleich Abschluss der höheren Handelsschule  

(soweit aus: BEST News 1996, 2006 aktualisiert)


Studienorientierte Abschlussmöglichkeiten am RWB Essen

Das RWB Essen bietet Bildungsgänge, die zu einer Allgemeinen Hochschulreife führen und Bildungsgänge, die zu einer Fachhochschulreife führen.

Im Bereich der Bildungsgänge zur Fachhochschulreife gibt es drei unterschiedliche Wege:

  • FOS12B:
    SchülerInnen, die nach einem mittleren Bildungsabschluss eine Berufsausbildung abgeschlossen haben, können in einem Jahr zur Fachhochschulreife kommen. Der Abschluss gilt bundesweit. Er berechtigt zum Studium an jeder Fachhochschule.
  • Höhere Berufsfachschule für Wirtschaft (= Höhere Handelsschule):
    SchülerInnen, die den mittleren Bildungsabschluss haben, können nach dem Besuch der Vorklasse einen zweijährigen Bildungsgang besuchen, der zum schulischen Teil der Fachhochschulreife führt. Um eine volle Fachhochschulreife zu erlangen, muss man ein einschlägiges sechsmonatiges Praktikum machen oder eine Ausbildung abschließen. Teile der Schulzeit können angerechnet werden auf das Praktikum, sodass i.d.R. nur noch ein viermonatiges Praktikum gemacht werden muss. Der Abschluss gilt bundesweit. Er berechtigt zum Studium an jeder Fachhochschule.
  • Höhere Berufsfachschule für Technik:
    SchülerInnen, die den mittleren Bildungsabschluss haben, können nach dem Besuch der Vorklasse einen zweijährigen Bildungsgang besuchen, der zum schulischen Teil der Fachhochschulreife führt. Um eine volle Fachhochschulreife zu erlangen, muss man ein einschlägiges sechsmonatiges Praktikum machen oder eine Ausbildung abschließen. Teile der Schulzeit können angerechnet werden auf das Praktikum, sodass i.d.R. nur noch ein dreimonatiges Praktikum gemacht werden muss. Der Abschluss gilt bundesweit. Er berechtigt zum Studium an jeder Fachhochschule.

Im Bereich der Bildungsgänge zur allgemeinen Hochschulreife gibt es drei unterschiedliche Bildungsgänge (Schwerpunkte im Bereich Physik+Technik, Betriebswirtschaftslehre und Erziehungswissenschaften), die alle zu einem bundesweit anerkannten Abschluss führen. Diese allgemeine Hochschulreife berechtigt zum Studium an jeder Universität. Die überwiegende Mehrzahl der SchülerInnen besucht diese Bildungsgänge.

(Erläuterungen von Herrn Rolf Saueracker, rwb)


Leserkommentare:

Heidemarie Kleinöder, Schulleiterin am RWB Essen schreibt im Oktober 2006

"Zentralabitur ab 2008"

Als Schulleiterin freut es mich natürlich sehr, dass unsere Schule so positiv gesehen wird.
Herr Busch hat in seinem Kommentar ja schon einige Erläuterungen zum Thema Erwerb der Fachhochschulreife gegeben, sodass ich an dieser Stelle nur auf diese verweise.
In Bezug auf die „Kalkulierbarkeit“ der zu erreichenden Abschlüsse möchte ich die Gelegenheit nutzen, um klarzustellen, dass man seinen Abschluss auch in Essen nur aufgrund seiner (persönlich) erreichten Punktzahlen in den entsprechenden Grund- und Leistungskursen „kalkulieren“ kann.
Auch wenn die AHR- und FHR-Prüfungen in NRW noch nicht zentral gestellt werden (wird aber ab 2008 sukzessive erfolgen!) bedeutet dies nicht, dass die Prüfungen hier einfacher sind.
Die Abiturvorschläge des RWB Essen werden im Hinblick auf Vergleichbarkeit mit den Prüfungsvorschlägen aller Berufskollegs aus dem Bezirk Düsseldorf überprüft. Dabei enthält der Vorschlag des RWB Essen keinen Hinweis, dass es sich um hörgeschädigte Absolventen handelt. Insofern sind die Prüfungen immer inhaltsgleich in den Anforderungsniveaus, die auch in NRW exakt vorgeschrieben sind. Der Vorteil ist natürlich, dass der Vorschlag von den Lehrerinnen und Lehrern der Schule eingereicht wird. Insofern finden die sprachlichen Besonderheiten unserer Schüler immer Eingang in die Gestaltung der Prüfung. Damit kann verhindert werden, dass Sprachbarrieren die Prüfungsergebnisse überlagern.
Große Veränderungen wird es zukünftig auch in NRW geben, wenn ab 2008 auch für Berufskollegs in NRW zentrale Prüfungen gestellt werden. Aber auch hier wird die Schule rechtzeitig aktiv, damit der Anspruch auf Nachteilsausgleich in angemessener Form umgesetzt wird. Wir legen jedoch auch in Zukunft großen Wert darauf, dass die Prüfungen am RWB Essen weiterhin inhaltlich und formal voll vergleichbar bleiben.
Wir sind trotzdem sehr zuversichtlich, dass die gehörlosen und schwerhörigen Schülerinnen und Schüler auch diese Herausforderungen zukünftig bewältigen werden, da sie während ihrer Schulzeit natürlich auf diese Anforderungen entsprechend vorbereitet werden.

Mit freundlichen Grüßen

Heidemarie Kleinöder, OStD


Florian Eckstein, Abiturient 2006 und Azubi schreibt im Dezember 2007:

Hallo, ich bin seit 2002 im Berufskolleg in Essen! Angefangen habe ich dort in der Vorklasse und habe 2006 dort Abi-Prüfung (Naturwissenschaft) absolviert und bestanden. Derzeit bin ich wegen meiner Ausbildung (als Fachinformatiker-Anwendungsentwicklung) in Blockzeit (2-3x im Jahr 6 Wochen lang).
Über die Schulablauf kann ich die Aussagen von Schulleiterin Frau Kleinöder bestätigen.
Leider muss ich ehrlich sagen, dass das Gebäudekomplex dringende Sannierungsbedarf hat! Besonders im Bereich Klimatechnik (Heizung und Klimaanlage) muss erneuert werden, denn dort funktioniert heutzutage vieles nicht mehr einwandfrei. In der 4. Etage (z.B. im IT-Labor, Physikraum oder Vermessungstechnik) wird es oft zu kalt oder zu heiß. Wegen der Ausbildung bin ich jeden Tag und jede Stunde im IT-Labor auf der 4. Etage und kämpfe seitdem öfters mit gesundheitlichen Problemen, wie z.B. plötzlicher Schnupfen oder Kopfschmerzen.
Deswegen eine GROßE BITTE an LVR: Investier das Geld für Sannierungsmaßnahmen!
Abgesehen von technischen Problemen ist die Schule sonst sehr empfehlenswert! Sie haben außerdem viele supternette Lehrer ;)
Schönen Gruß aus der Eifel
Florian Eckstein


Nicole Weißkopf schreibt zum Artikel 'kolleg_essen':

"Hi! ich sage zu erst mal Ok zu euer Meinung und Kritik oder Ansicht zur Schule in Essen! Aber eines sollten sich die Lehrer und Lehrerinnen an anderen Schulen zum sehr GROSSEN VORBILD UND ZIEL setzen!!! Dies wäre die KOMMUNIKATION! An der Schule in Essen kann fast jeder Lehrer die Grundlage der Gebärden und ist dadurch sehr gut verständlich, gerade für Gehörlose. Dies habe ich als ehemalige Schülerin an der Münchner Realschule und FOS leider nicht immer erlebt!
Liebe Grüsse Nicole





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