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Hörgeräteakustiker-Kongress 2009 in Nürnberg

Hören lernt man, indem man wiederkehrende Muster erkennt, sich merkt und später wiedererkennt. Auch das Hören mit Hörgeräten will erlernt sein. Sei es, man erhält zum ersten Mal eine Hörhilfe angepasst oder man steigt auf ein neues Gerät um. Denn Hörgeräte verstärken nicht einfach den Schall, sondern sie verändern das akustische Ereignis je nach individuellem Hörverlust und nach gegebener Hörsituation. Deshalb kann sich der Anpassprozess eines Hörgeräts über Wochen und Monate hinziehen und womöglich sind die technischen Möglichkeiten des Hörsystems und die Gewöhnung des Ohrs an die neuen Höreindrücke erst nach einem Jahr abgeschlossen.

Die Veranstalter des Kongesses legen wert auf diese Feststellung, schließlich sind Hörgeräteakustiker nicht nur die Verkäufer teurer elektronischer Geräte, sondern die Fachleute, die die beschriebene Anpassung vornehmen. Angesichts der Superlativen der Technik, mit denen der 53. Internationale Hörgeäteakustiker- Kongress im Oktober 2009 in Nürnberg aufwartet, heben sie noch ein weiteres Faktum hervor:

Die Grundversorgung der Bevölkerung durch gute Hörgeräte ist weiterhin ohne Zuzahlung gesichert. Kassen zahlen einen Festbetrag in Höhe von 1034 bis 1224 € für zwei Hörgeräte (inklusive Otoplastik und Reparaturpauschale, bei einer Eigenbeteiligung von je 10 €; Höhere Festbeträge in der Kinderversorgung: bis zu 2000 €). Der Anteil solcher Standardversorgung macht immerhin 20-40 % ihres Umsatzes aus. Im Zentrum der Messe stehen allerdings innovative Geräte, die ein Vielfaches dessen kosten, was die Kassen übernehmen: über 6.000 € bei beidseitiger Versorgung. Wer in die sogenannte „Ober- oder Mittelklasse“ einsteigen will, muss die Differenz zum Festbetrag aus eigener Tasche zahlen.

Allerdings ist die Technik, die heute als state of the art vorgestellt wird, schon in zwei bis drei Jahren in der mittleren Preisklasse und in vier bis fünf Jahren in der Grundversorgung verfügbar. Die Geschwindigkeit der Produktentwicklung hat sich seit der Einführung der digitalen Verarbeitung enorm beschleunigt. Sie ist einerseits abhängig von der Rechengeschwindigkeit der verfügbaren Chips, andererseits von der Speicherkapazität, die in kleinsten Geräten Platz findet. Die mögliche Leistung wird auch durch einen zeitlichen Faktor begrenzt: Die Signalverarbeitung muss innerhalb von 7-15 ms erfolgen, damit „Echtzeit“, d.h. die Lippensynchronisation erhalten bleibt.

Die durch digitale Technik gegebenen Möglichkeiten stehen im Mittelpunkt des diesjährigen Kongresses:

  • Neue Algorithmen zur binauralen Verarbeitung kommen zum Einsatz.
  • Die Einbindung von Unterhaltungselektronik via Bluetooth wird ausgebaut.
  • Neue Strategien bei mobilen Hör-Sprech-Anlagen

Im Folgenden sind diese Neuerungen an wenigen Beispielen vorgestellt:

In dem neuen Hörsystem von Widex „clear 440“ erfolgt die Signalverarbeitung binaural. Entwickelt wurden hierzu ein neuer Chip und ein digitaler Datenaustauch zwischen zwei Geräten: „Widex Link“. Damit gelingt es in Cocktail-Party Situationen den dominanten Sprecher deutlich hervorzuheben. Der Trick dabei ist – neben dem Algorithmus zur Spracherkennung – dass die Interaurale Pegel Differenz erhalten bleibt.
Zusätzlich wird für das neue System digitale Funktechnik angebunden über:

  • TV-Dex ist eine multifunktionale, drahtlose TV- und Audio-Station, die verschiedene Audio-Signale in Stereo-Hi-Fi-Qualität und Echtzeit an das Hörsystem überträgt. Die Audio-Station besteht aus einer TV-Basisstation und dem TV-Controller. Die TV-Basisstation wird mit einem TV-Gerät oder anderen Audio-Systemen verbunden und ist gleichzeitig Ladestation für den TV-Controller. Der TV-Controller ist die drahtlose Schnittstelle zwischen Basisstation und Hörsystemen. Er ermöglicht dem Hörgeräte-Träger, die Lautstärke zu verändern, die Hörgeräte-Mikrofone abzuschalten sowie die Audio-Quellen per Knopfdruck auszuwählen. Der TV-Controller muss nicht umgehängt werden, er wird in unmittelbarer Nähe platziert.
  • M-Dex dient als mobile Freisprecheinrichtung für Bluetooth-fähige Mobiltelefone. Die direkte Übertragung der Telefonsignale an beide Hörsysteme erreicht eine klare Klangqualität. Zudem bietet es eine drahtlose Übertragung von Audio-Signalen, z. B. des MP3-Players, an das Hörsystem in überzeugender Soundqualität und in Echtzeit. Weiterhin ist eine Induktionsspule integriert. M-Dex verfügt über eine integrierte Fernbedienung zur intuitiven Steuerung sämtlicher Funktionen des Hörsystems Widex clear 440.
Grafik: Widex-HdO mit Bluetooth-Anbindung [Vergleichbare Hörsysteme, die binaural verarbeiten und drahtlose Kommunikation anbieten, findet man auch bei den anderen großen Anbietern, z.B. bei Oticon - s.u..]

Neue Oticon Hörsysteme für Kinder

Das Hörvermögen von Säuglingen und Kleinkindern befindet sich noch in der Entwicklung. Deshalb gibt es spezielle Kinder-Hörgeräte, die auf die Erfordernisse des kindlichen Spracherwerbs abgestimmt sind. Jetzt hat Oticon mit Safari eine Produktfamilie auf den Markt gebracht, die eine Reihe an Funktionen enthält, die es bislang für dieses Segment nicht gab. Dazu zählen eine erweiterte Bandbreite, ein natürlicher Raumklang sowie Wireless- und Binaurale Technologie.

Diverse Studien haben einen Zusammenhang zwischen kindlichem Spracherwerb und Bandbreite nachgewiesen. Die Bandbreite gibt Auskunft über den Umfang des Klangspektrums, den Hörsysteme übertragen. Eine Bandbreite von 10.000 Hz ist in der Lage, alle Töne zwischen 0 und 10.000 Hz zu erfassen und wiederzugeben. Je größer die Bandbreite, desto natürlicher der Klang. Und umso besser und klarer kann das Kind Sprache verstehen. Dies gilt besonders für die hohen Töne und Frequenzen, die für das Sprachverstehen von enormer Bedeutung sind. Je mehr Zugang das Kind zu den hochfrequenten Sprachinformationen hat, desto leichter fällt es ihm, Sprachmuster zu erkennen und diese in das eigene Sprachvermögen zu integrieren. Deshalb unterstützt Safari das Kind in seinem Spracherwerb effektiver als andere Hörgeräte. Denn als einziges derzeit erhältliches Kinder-Hörgerät verfügt es über eine Bandbreite von bis zu 10 kHz.

Binaurale Hörsysteme, wie das Modell Safari 900, ahmen zudem die Funktionsweise des menschlichen Gehirns nach, indem sie die natürlichen Pegelunterschiede zwischen beiden Ohren erhalten, die für eine exakte Lokalisation von Klängen benötigt wird. Sie tauschen zu diesem Zweck per Funk große Datenmengen zwischen rechten und linken Ohr aus. Dadurch passen sie die Klangwelt in jeder Situation exakt an die individuellen Erwartungen des Hörgeräteträgers an. Auf diese Weise lassen sich bessere Klangergebnisse erzielen als mit herkömmlichen, digitalen Hörgeräten.

Mit zunehmendem Alter wachsen die Kinder in die Welt moderner Kommunikationsmedien hinein, die sie natürlich uneingeschränkt und in derselben Klangqualität, die für ihre nicht-hörgeminderten Altersgenossen selbstverständlich ist, nutzen möchten. Aus diesem Grund verfügt Safari zusätzlich über eine Wireless-Anbindung. Diese verbindet die Hörgeräte mit TV, Handy, Festnetztelefon, MP3-Player, Computer, Laptop und anderen Audioquellen, die einen festen Platz in der Lebenswelt von Jugendlichen einnehmen – per Wireless-Technologie. Der Nutzer steuert sämtliche Anwendungen mit einer Fernbedienung (Streamer). Diese lässt sich per Knopfdruck bedienen.

Otoplastiken sind wieder ein Thema, auch bei Hörgeräten mit offener Versorgung. Die mit der offenen Versorgung eingeführten Standard-Plastikschirmchen können Otoplastiken nicht ersetzen. So kommt es mit ihnen zu häufigem Verlust des Hörgeräts und sie führen je nach Platzierung des Schlauchs im Gehörgang zu unterschiedlicher Verstärkung. Bernafon fertigt für seine Hörgeräte deshalb eigene Otoplastiken mit einer Ankupplung des Schlauches an den Hörer (Klicksystem), so dass die Reinigung und das Auswechseln möglich sind. Hintergrund ist, dass bei dünnen Schläuchen und Ex-Hörern ebenso wie bei Innenohrgeräten häufige Reinigung und Trocknung nötig sind. Die Vorteile der offenen Versorgung bleiben durch kleine Bauformen und viele Bohrungen erhalten.



Mobile Hör-Sprech-Anlagen

Phonak bietet seine „Dynamik-FM“ Technologie jetzt in allen Produkten an: Das + hinter der Bezeichnung des jeweiligen FM-Geräts macht das kenntlich. Die adaptive Anhebung des FM-Signals funktioniert so: Der Sender (z.B. ein Inspiro) nimmt mit einem nach oben gerichtetem Mikrofon das Nutzsignal auf. Ein zweites omnidirektionales Mikrofon nimmt zur SNR-Analyse die Lautstärke im Raum auf. Nur das Nutzsignal wird bei konstant 75 dB an den oder die Empfänger gesendet, egal, wie laut oder leise das eingehende Sprachsignal ist. So wird die hohe Dynamik erreicht. Bei ungünstiger SNR hebt der Empfänger (als Aufsteckgerät MLXi+ oder als Empfänger mit Induktionsschleife MyLink+) den übertragenen Nutzschall mehr hervor als in ruhiger Umgebung. Das Hörgerät wird dadurch nicht lauter, es stellt aber das im Eingang stärkere Nutzsignal gegenüber dem Störschall deutlicher dar. Das bei FM-Übertragung unvermeidliche Grundrauschen wird zusätzlich reduziert, indem der Sender abschaltet, wenn das System kein Sprachsignal entdeckt.

Neu ist ein Raummikrofon „DynaMic“ für des Team-Teaching, das als robustes Handmikrofon herumgereicht werden kann. Es arbeitet aber nur in Verbindung mit einem Inspiro-Sender, der als Impulsgeber fungiert.

 

 

 

Comfortaudio hat mit seinem Digisystem eine echte Alternative nicht nur zu mobilen FM-, sondern auch zu stationären Hör-Sprech-Anlagen. Die Funkübertragung erfolgt hier digital. Bei dieser Übertragung wird kein Rauschen erzeugt, außerdem hat das Signal hat keine Aussetzer, wie sie bei FM auftreten können. Die kleinen und leichten Geräteeinheiten im MP3-Player-Look sind u.a. als „Combo DM30“ oder als „Empfänger DH10“ erhältlich. Das Combo kann, wie der Name andeutet, zugleich senden und empfangen. Es hat ein integriertes Mikro sowie einen Aus- und Eingang z.B. für ein externes Mikro, eine Induktionsschleife oder ein Y-Kabel für Audioschuhe.
An einer Förderschule kann es somit eingesetzt werden als Sender für den Lehrer und als Sprech- und Hör-Einheit für hörgeschädigte Schüler. Über eine neue Steuereinheit „DA20“ können u.a. auch FM-Empfänger anderer Hersteller angesprochen werden. (Sicherlich nicht die erste Wahl!)
In der Einzelintegration wären zwei Combogeräte – eines für den Lehrer, ein zweites als Handmikrofon für die Klasse - und ein Empfänger mit Induktionsschleife oder mit Audioschuh für den hörgeschädigten Schüler denkbar. Auch der Einsatz bei Schülern mit AVWS ist gut möglich, da sich Kopfhörer anschließen lassen.


 

 




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Über einzelne Aspekte aktueller Hörsysteme können Sie sich hier informieren: digitale Hörgeräte

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ansicht: Inspiro-Sender

FM-Sender "Inspiro" von Phonak

Ansicht: Handmikrofon

Handmikrofon "DynaMic" für Team-Teaching mit "Inspiro"-FM

Ansicht: DigiSys-Sender

Kombinierter Sender und Empfänger "DM30" des "Digisystems" von ComfortAudio

 

 


             
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