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Neue Einsatzmöglichkeit von FM-Anlagen mit „Teamteaching“
Wenn Dr. Ulrich Hase, der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft der Hörgeschädigten,
aus seiner Studienzeit erzählt, verschlägt es selbst hörgeschädigten
Studenten und Hochschulab-solventen unter seinen Zuhörern den Atem. So
gab er in deren Runde einmal zum Besten, wie er Ende der 70er Jahre sein Jura-Studium
bewältigt hat: mit Klappstuhl, pinkfarbenem Schild und Mikrophon. Den Klappstuhl
brachte er mit, um sich unmittelbar vor dem Dozenten zu platzieren. Immer wenn
dieser zu schnell oder unartikuliert aus seinem Manuskript vorlas, hielt er
ihm das Schild entgegen, worauf stand: „Bin hörgeschädigt, bitte
deutlich sprechen!“ Das wirkte wie Konditionieren im Sinne Skinners. In
den Seminaren ließ Dr. Hase das Mikro-phon herumreichen. Das hatte für
den eigentlich gehörlosen Studenten den Vorteil, dass er sofort sah, wer
gerade das Wort erhob, so dass er vom Mund ablesen konnte. Außerdem spra-chen
die Redner mit Mikrophon in der Hand meist von selbst deutlicher. Was Dozenten
und Kommilitonen allerdings nicht wussten: sie hielten nur eine Attrappe in
Händen!
Funkübertragungsanlagen, wie sie für hörgeschädigte Schüler
und Studenten heute selbstverständlich sind, gab es zu Dr. Hases Studienzeiten
noch nicht. Seine Spielzeug-Funk-Anlage erfüllte trotzdem ihren Zweck -
das Verstehen wurde ihm erleichtert.
Die Anekdote geht von dem Grundproblem in der Kommunikation hörgeschädigter
Schüler und Studenten aus: Sie müssen aktiv werden, auf sich aufmerksam
machen und alle verfügba-ren Hilfsmittel heranziehen, um nicht ausgeschlossen
zu werden. Die Tricks, die sich der fin-dige Student einst ausdachte, lehren
uns, wie man auch heute moderne FM-Anlagen effektiver einsetzen kann. Zum einen
geht es darum, möglichst jeden Teilnehmer einer Gesprächsrunde zu
verstehen. Zum andern erfahren wir, dass sich das kommunikative Verhalten der
Teilneh-mer alleine durch den Einsatz eines schlichten Mikrophon positiv beeinflussen
lässt. Was für eine Attrappe gilt, trifft nicht minder für tatsächlich
wirksame Funkanlagen zu.
An Schulen und Universitäten sind diese sog. FM-Anlagen mittlerweile Standard.
Technisch gesehen, übermitteln sie Sprache per Funk mittels miniaturisierter
Sender und Empfänger. So wird Nutzschall über eine größere
räumliche Distanz übertragen bzw. beim Auftreten von Störlärm
hervorgehoben. Damit nimmt z.B. ein hörgeschädigter Schüler seinen
Lehrer auch bei schlechter Akustik deutlich besser wahr. Ob das einem Hörgeschädigten
allerdings immer genügt, um einem Unterrichtsgespräch folgen zu können,
ist eine andere Frage. Denn über Funk wird nur übertragen und für
den hörgeschädigten Schüler ist damit nur zu hören, was
der Lehrer ins Mikrophonphon spricht. Beiträge aus der Klasse müssten
dann schon regelmäßig wiederholt werden, wenn sie nicht untergehen
sollen. Auf Seiten des FM-Nutzers hört sich Unterricht mitunter so an,
wie ein miterlebtes Telefongespräch: Man kann allenfalls vermuten, was
die Gegenseite soeben gesagt hat.
Um diesen Mangel zu umgehen, reichen manche Lehrer ihr Mikrophon in der Klasse
herum. Besonders praktikabel ist das aber nicht, ist die Lehrerperson doch mit
dem Headset „verka-belt“. Sie muss die Apparatur erst umständlich
und möglicherweise geräuschvoll abnehmen und dann wieder anlegen.
So bleibt die „Interview-Technik“ mit FM im Unterricht die Aus-nahme
und der Ausschluss des hg Schülers von Beiträgen aus der Klasse die
Regel. Neue FM-Technik – neue Möglichkeiten
Der naheliegende Gedanke, einfach einen zweiten Sender einzusetzen, ließ
sich bisher tech-nisch nicht realisieren, weil der FM-Empfänger beim Eintreffen
eines zweiten Signals massiv gestört wirde. Eine Lösung zeichnet nun
ab, seitdem Hersteller von FM-Anlagen eine soge-nannte „Teamteaching“-Option
speziell für den Einsatz in Schulen anbieten. Dabei stehen zwei prinzipiell
unterschiedliche methodische Ansätze zur Verfügung:
1. Individuelle FM-Anlagen mit Teamteaching Einige Geräte, wie die der Firma Oticon, arbeiten mit zwei getrennten
Sendekanälen, einem Kanal für das Hauptgerät des Lehrers und
einem weiteren für einen zweiten Lehrer oder – so wie es hier vorgestellt
wird – für die Schüler. Das heißt ein Sender 1 –
mit dem Hand-Mikrophon für die Klasse – sendet auf Kanal 1 zu einem
ersten Empfänger. Dieser Empfänger befindet sich in der Lehrer-Einheit,
wo das Signal 1 aus der Klasse mit dem Signal 2 des Leh-rers gemischt und über
dessen Haupt-Sender auf Kanal 2 zu dem zweiten Empfänger des hör-geschädigten
Schülers übermittelt wird. [Abb. 1]
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Abb. 1
Schema individuelle FM-Anlage mit mobilem Teamteaching-Mikrophon
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Das im Frühjahr/Sommer 2008 auf dem Markt eingeführte „Inspiro“
von Phonak begenügt sich mit einem einzigen Kanal für einen Hauptsender
und einem oder bis zu 10 zusätzlichen Sendern für die Teamteaching-Funktion.
Das oben beschriebene Funk-Stör-Problem wird um-gangen, indem der Hauptsender
nacheinander immer nur eine Sendeberechtigung für die Ne-bensender vergibt.
2. Raumbeschallung mit Teamteaching und FM-Anschluss
Eine prinzipiell andere Herangehensweise ermöglicht der Einsatz von Soundfield-Anlagen,
da von diesem System zuerst die ganze Klasse und erst in zweiter Linie der hörgeschädigte
Schü-ler profitiert. Die Signale des Lehrer- und des mobilen Zweit-Mikrophons
werden über zwei getrennte FM-Kanäle zu einem stationären Empfänger
gesendet, dort gemischt und über Laut-sprecher ausgestrahlt, d.h. das Klassenzimmer
wird beschallt. Die Schüler in den hinteren Reihen, die bekanntermaßen
die denkbar schlechtesten akustischen Bedingungen aushalten müssen, sollen
über den Lautsprecher ein deutlicheres Sprachsignal erhalten. Zusätzlich
lässt sich das Ausgangssignal per Kabel in einen dritten FM-Sender einspeisen
und auf dessen se-parater Frequenz wie gehabt zu dem Hörgeschädigten
übertragen. [Abb. 2] Vergleichbare An-lagen werden auch mit Ifrarot-Übertragung
angeboten.Beiden Ansätzen ist gemein, dass sie die Fixierung des hörgeschädigten
Schülers auf einen Sprecher, i.d.R. den Lehrer, überwinden. Während
die unter 1 genannten Verfahren die be-kannten FM-Geräte weiter- bzw. auf
neuer technischer Plattform fortentwickeln, handelt es sich bei der Raumbeschallung
mit FM-Anschluss um eine Zusatzverwertung der v.a. in Nordamerika verbreiteten
elektroakustischen Verstärkeranlagen an allgemeinen Schulen. (1) Somit
lässt sich die klassische FM-Anlage mit Teamteaching-Funktion als individuelles
akustisches Hilfsmittel für Hörgeschädigte charakterisieren,
wohingegen es sich bei der Raumbeschallung

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Abb. 2
Schema „Soundfield“ mit Teamteaching und angeschlossener
individueller FM-Anlage
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mit Teamteaching und FM-Anschluss in erster Linie um ein Hilfsmittel für
die gesamte Klasse handelt, das vom Hörgeschädigten zusätzlich
genutzt werden kann. Beide Hilfsmittel dienen dazu, dem Nutzer mehrere Sprecher
akustisch zugänglich zu machen.
Akzeptanz unter Schülern
Nun stellt sich die Frage, wie sich die neue Teamteaching-Funktion in der Unterichtspraxis
bewährt. Vier Schüler, die vom MSD begleitet werden, hatten die Gelegenheit,
FM mit Team-teaching auszuprobieren. Zum Einsatz kamen ein Teamteaching-Set
der Firma Oticon und die mobile Soundfield-Anlage „Frontrow ToGo“
von Phonic Ear.
Erste Erfahrungen in jeweils einwöchigen Erprobungen in einer neunten
(Frontrow ToGo mit FM), einer zehnten (Oticon Amigo) und in zwei fünften
Klassen (Frontrow ToGo mit FM) zeigen, dass das eigene Mikrophon bei den hörenden
Schülern schnell Akzeptanz findet, wenn auch der Motivationsschub des „Neuen“
nach einiger Zeit abflacht. Die hörgeschädigten Schüler in den
beiden fünften Klassen waren begeistert von der Teamteaching-Funktion,
die hörgeschädigten Schüler in den beiden höheren Jahrgangsstufen
konnten für sich jedoch kei-nen Vorteil verzeichnen. In der einen fünften
Klasse haben sich alle hörenden Schüler einhel-lig für die Anschaffung
der Raumbeschallung ausgesprochen, in der anderen hielten sich Be-fürwortung
und Ablehnung die Waage. Die Gründe, warum sich kein deutlich besseres Gesamtbild für die
Teamteaching-Anlagen ergab, sind sowohl unterrichtskonzeptioneller als auch
technischer und raumakustischer Natur. Im Folgenden werden eigene Beobachtungen
geschildert sowie Hinweise aus der Literatur aufgegriffen, um daraus Kriterien
für einen erfolgreichen Einsatz von Teamteaching-Anlagen zu gewinnen.
Kommunikationstechnik beeinflusst kommunikatives Verhalten
In ein Mikrophonphon zu sprechen, stellt für jeden Schüler zunächst
eine gewisse Herausfor-derung dar, erhält sein Beitrag damit doch größeres
Gewicht. So war zu beobachten, dass sich Schüler besser überlegen,
was sie sagen, weil selbst ihre leise gesprochenen Redebeiträge er-fasst
werden. Zum anderen wenden die Mitschüler einem mit Mikrophon ausgestatteten
Spre-cher eher ihre ungeteilte Aufmerksamkeit zu. Durch das Herumreichen des
Mikrophons erin-nern sich die Schüler zudem leichter an Vorgaben wie, eine
„Blickachse“ zum hörgeschädig-ten Schüler herzustellen.
Das in der Klasse herumgereichte Mikrophon kann somit zum Signal werden, einander
zuzuhören.
Es wäre aber ein Missverständnis anzunehmen, die FM-Systeme stellten
die gewünschte Ge-sprächskultur per se her. Sie sind lediglich ein
Hilfsmittel, mit dem die Bedeutung des einan-der Zuhörens herausgestellt
und eingeübt werden kann. Eine Klasse, die es weniger gewohnt ist, sich
gegenseitig ausreden zu lassen oder auf Beiträge anderer einzugehen, wird
dies auch nicht bei Funkübertragung und/oder Raumbeschallung können.
Unter solchen Umständen wird der durch Teamteaching vergrößerte
akustische Aktionsradius für den Nutzer keinen Vorteil bringen, wenn er
nicht gar als störend empfunden wird.
Insofern sollten sich Lehrer vor dem Einsatz der FM-Anlagen damit beschäftigen,
in welchen Unterrichtssituationen sie welche Beiträge über das Schüler-Mikrophon
abrufen wollen. An einem Beispiel: Ein Unterrichtsgespräch, in dem nur
Stichwörter als Schülerantworten erwar-tet werden, würde durch
den häufigen Wechsel des Mikrophons völlig aus dem Takt gebracht.
Hier ist es wesentlich effektiver, wenn der Lehrer selbst den erwarteten Begriff
noch einmal wiederholt. Wenn dagegen Arbeitsergebnisse vorgetragen werden, kann
die Lehrkraft schon durch den formellen Akt der Mikrophonübergabe deutlich
machen, dass nun ein besonderer Beitrag erwartet wird. Wo dies im Unterricht
während der Erprobungswochen geschah, war die Akzeptanz merklich höher.
Eine positive Wirkung auf die kommunikative Situation wird sich durch den Einsatz
von FM-Teamteaching v.a. dann einstellen, wenn in der Klasse bereits auf besondere
Gesprächsregeln geachtet wird. Pädagogen wissen, dass eine „Kultur
der Zuhörens“ hilft, den Schulalltag ef-fektiver und für alle
Beteiligten angenehmer zu gestalten. In ganz besonderer Weise gilt das natürlich
für hörgeschädigte Schüler, deren Erfolg in einer Klasse
oft davon abhängt, dass dies gelingt. Im Namen eines hörgeschädigten
Mitschülers von der Klasse Rücksichtnahme einzu-fordern, ist allerdings
– zumindest in der Unter- und Mittelstufe – nicht zielführend.
Die ge-wünschte Gesprächskultur lässt sich erfahrungsgemäß
besser einführen, wenn sie als Aufgabe aller verstanden wird und nicht
(nur) als moralische Verpflichtung für einen einzelnen Schü-ler. Das
hörgeschädigte Kind kann schnell zum Buhmann der Klasse werden, wenn
etwa die Mitschüler das Gefühl bekommen, dass sie nur wegen ihm nicht
schwätzen dürfen oder immer aufgefordert werden, laut und deutlich
zu sprechen. Das Gefühl, zurückgesetzt zu werden, stellt sich bei
ihnen womöglich auch dann ein, wenn eine FM-Anlage mit Teamteaching eingeführt
wird. Manche Schüler fragen: Warum dreht sich alles nur um den einen Schüler? An solchen Fragen aus der Klasse wird deutlich, dass der ordnungsgemäße
Einsatz von FM-Teamteaching stets mehr oder weniger von der Einsicht und dem
Wohlwollen der Schüler abhängt. Hier gewinnt der konzeptionelle Unterschied
in den zwei genannten Verfahren Be-deutung. Der große Vorteil der Raumbeschallung
mit Teamteaching und FM liegt darin, dass sie ihrer Idee nach der ganzen Klasse
zugute kommt – auch wenn wir ihren Einsatz v.a. wegen eines integrierten
hörgeschädigten Schülers in Erwägung ziehen, weil wir vermuten,
dass die-ser den größten Nutzen daraus zieht.
So ließen sich tatsächlich viele der gut hörenden Schüler
von der Raumbeschallung begeis-tern, weil sie durch den Vergleich zu vorher
merkten, um wie viel leichter ihnen das Zuhören fiel. Schüler, die
in der letzten Reihe saßen, vermeldeten begeistert, dass sie nun, während
sie schrieben, gleichzeitig dem Lehrer zuhören konnten, was ihnen sonst
nicht gelang. Generell verstanden alle Schüler ihre weiter weg sitzenden
Mitschüler besser (siehe Bericht
von A. Spirk). Zur Handhabung
Leider kann man nicht davon ausgehen, dass sich eine individuelle FM-Anlage
umstandslos zur Teamteaching-Anlage erweitern lässt. Bei dem Schüler der 10.
Klasse war das Einstellen der beiden FM-Sender aufeinander und die Abstimmung
mit seinem FM-Empfänger auch mit Hilfe des Akustikers nicht möglich und musste
im Werk vorgenommen werden (Amigo T21 und T10 sowie HdO-Empfänger von Oticon,
HdO von anderem Hersteller). Der Einsatz war weiterhin nicht immer problemfrei,
da das Signal des TeamTeaching-Mikrophons – auch mit angesteckter Antenne –
bei zunehmender Entfernung schwach wurde, so dass die Verbindung abriss. Das
filigrane Antennenkabel könnte beim Dauerbetrieb in einer Klasse zudem leicht
einen Kabelbruch erleiden.
Eine Soundfield-Anlage lässt sich einfacher in Betrieb
nehmen, da hier an der vorhandenen individuellen FM-Anlage keine Veränderung
vorgenommen werden muss. Es müssen lediglich die Sendefrequenzen der beiden
Mikrophone so gewählt werden, dass sie sich nicht mit der vorhandenen FM-Anlage
überschneiden.
Das Herumreichen eines Schüler-Mikrophons kann zu akustischen
Störgeräuschen führen, wenn etwa das Ausschalten vergessen wird. Insbesondere
in den unteren Klassen kann daneben auch die beabsichtigte Produktion von Krach
zum Problem werden. Bei der klassischen FM-Anlage hat der Lehrer darüber keine
akustische Kontrolle – bei Soundfield kann er sofort darauf reagieren. Als technische Schwierigkeit ergibt sich aus dem mobilen Einsatz der Mikrophone,
dass der Eingangsschallpegel bei jedem Sprecherwechsel von einem Extrem ins
andere springen kann. Wechselnde Schallpegel können für den Empfänger bzw. Zuhörer
aber sehr unangenehm sein. Im Umgang mit solchen Störungen bieten die Anlagen unterschiedliche Korrekturmöglichkeiten
an. Bei manchen der klassischen FM-Anlagen wird laut Herstellerangaben die Signalstärke
der Teamteaching-Mikrophone automatisch nivelliert. Beim Einsatz der Raumbeschallungsan-lagen
merkt der Sprecher an seinem akustischen Feedback sofort, ob er zu laut oder
zu leise spricht und lernt somit von selbst den richtigen Abstand zum Mikrophon
einzuhalten bzw. die adäquate Stimmkraft einzusetzen.
Der Einfluss der Raumakustik
Die Klasse, in der der probeweise Einsatz von FM-Teamteaching am erfolgreichsten
war, hat-te von vornherein die besten akustischen Verhältnisse: die wenigsten
Schüler, das kleinste Raumvolumen und eine holzverschalte Decke. In den anderen
Klassen waren Nachhall und Grundgeräuschpegel ungünstiger: große, hohe Räume
in Altbauten, kahle Wände und Decken (subjektiv bewertet – akustische Messungen
konnten leider nicht durchgeführt werden.). Die Schlussfolgerung liegt nahe,
dass das Teamteaching nur dann eine spürbare Verbesserung im Sprachverstehen
und im Hörkomfort bringt, wenn die akustischen Raum-Eigenschaften auch ohne
technische Hilfen akzeptabel sind. Bei den individuellen FM-Anlagen mit Teamteaching kann ein Grund für diese
Einschränkung darin liegen, dass der übertragene Primärschall von Störschall
beeinträchtigt wird, wenn etwa das erste Mikrophon aktiv bleibt, während das
zweite zugeschaltet wird. Die neueste Generation der FM-Anlagen wird deshalb
von den Anbietern mit Spracherkennungsprogrammen, Störschallunterdrückung und
Deaktivierung nicht aktiver Mikrophone beworben. Diese Produkte standen uns
leider noch nicht zur Verfügung.
Über die Wechselwirkung von Soundfield-Anlagen und Raumakustik liegt eine ausführliche Studie des Herstellers Phonic Ear vor.(2)
Diese Untersuchung gibt bezüglich der mobilen „Frontrow ToGo“-Anlage folgende
Empfehlungen: Die Nachhallzeit T sollte 0,8 s nicht übersteigen, auch der Störschall sollte
gemäßigt sein – d.h. nicht höher als 55 dB. Als besten Standort für die Lautsprecherbox
wird eine hintere Raumecke in etwa 2 m Höhe genannt. Die Box sollte leicht nach
vorne geneigt sein, so dass die Senkrechte der Lautsprecherebene die Ebene der
Hörer (in ca. 1,2 m Höhe) auf der gegen-über liegenden Seite des Raumes schneidet.
Die Schüler sollten mehr als 2 m von der Box entfernt sitzen.
Wenn diese Empfehlungen nicht eingehalten werden – was leicht passieren kann,
weil sie in der Gebrauchsanleitung von Phonic Ear nicht aufgegriffen werden
und die Studie auf der Internetseite des Herstellers nicht mehr als Download
zur Verfügung steht – können negative Effekte die Wirksamkeit der Anlage und
damit deren Akzeptanz schmälern. So irritiert das aus der Nähe vernehmbare Grundrauschen
manchen Schüler. Zudem besteht die Gefahr, dass der Raum bei zu tiefem Standort
des Lautsprechers ungleichmäßig beschallt wird und es kann verstärkt zu Rückkopplungseffekten
kommen, wenn ein Mikrophon auf den Lautsprecher zu bewegt wird. Generell gilt, dass sich die Kombination von Soundfield und akustischer Sanierung
eines Klassenzimmers wechselseitig in ihrer Wirksamkeit verstärken. Zu diesem
Ergebnis kommt eine Untersuchung von M. Meis u.a. (3) Auch er weist darauf hin,
dass dieser positive Effekt nur für Räume mit einer Nachhallzeit von T<0,8s
gilt (pers. Mitteilung im Januar 2008).
Fazit:
Der beschriebene Einsatz der Teamteaching-Funktion von FM-Anlagen, bei dem
mehrere Sprecher einbezogen werden, kann für hörende und hörgeschädigte Schüler
eine große Hilfe darstellen. Es kommt jedoch sehr darauf an, wo, wie und bei
welcher Gelegenheit das zusätz-liche FM-Mikrophon eingesetzt wird. Neben den
raumakustischen Mindestanforderungen ist seitens der Lehrer auch ein gewisses
technisches Grundverständnis erforderlich und die Hand-habung wird anfangs evtl.
einen Teil ihrer Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Dem steht ein entscheidender
Vorteil im Vergleich zu herkömmlichen FM-Anlagen gegenüber: Die Team-teaching-Funktion
bringt eine neue Qualität in den Unterricht, indem sie den Dialog mit der Klasse
aufwertet. Die Kollegen sollten sich also nicht nur mit der neuen Technik auseinandersetzen,
sondern auch prüfen, in welchen unterrichtlichen Situationen sie deren pädagogischen
„Mehrwert“ erreichen können.
Dann werden hörgeschädigte Schüler aus der Teamteaching-Funktion doppelten
Nutzen ziehen: Ihr akustischer Wahrnehmungsraum wird erweitert und die kommunikative
Situation in der Klasse wird ihren Bedürfnissen mehr entsprechen.
Walter Kern
Literatur:
- C.Crandell, J. Smaldino, C. Flexer: Sound Field Amplification: Applications
to Speech Perception and Classroom Acoustics. CliftonPark/NY 2004 (2. Aufl.)
- McSquared System Design Group Inc.: Sound Field Speaker Coverage Modeling
Study, 11. Juni 2004 (erstellt von im Auftrag von Phonic Ear; abgerufen am
13.06.2007 unter http://www.gofrontrow.com/)
- M. Meis, u.a.: Zur Wirkung von aktiven und passiven raumakustischen Maßnah-men
auf die Geräuschwahrnehmung und Lebensqualität von Schülern:
Ergebnisse aus einer prospektiven Längsschnittstudie, in: Fortschritte
der Akustik, DAGA 2003
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